SI International - Die Geschichte

Der Erste Weltkrieg markierte einen Wendepunkt für Frauen, da sie sowohl an der Front als auch im häuslichen Umfeld ihre Fähigkeiten unter Beweis stellten und so ein neues Selbstbewusstsein entwickelten. Obwohl Frauen im 19. Jahrhundert Zugang zu höherer Bildung hatten, bevorzugten die meisten von ihnen die traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter. Diese Einstellung änderte sich jedoch während und nach dem Ersten Weltkrieg, als Frauen weiterhin aktiv in Beruf und Industrie blieben und wichtige Positionen innehatten. Inspiriert von bereits existierenden Männerclubs wie Rotary und Lions, entstand das Bedürfnis, eigene Frauenclubs zu gründen.

Dies führte zur Gründung des ersten Soroptimist-Clubs am 3. Oktober 1921 in einem Hotel in Oakland unter der Leitung von Violet Richardson-Ward, bei dem 81 Mitglieder anwesend waren. Ursprünglich nannte sich der Club „The Alameda Country Soroptimist Club“. 1922 und 1923 gab es weitere Clubgründungen. San Francisco, Los Angeles, Sacramento, später im Osten Washington D.C. und New York.

Violet Richardson-Ward

Violet Richardson-Ward war eine prominente Figur in der Geschichte der Soroptimistinnen. Sie war maßgeblich an der Gründung des ersten Soroptimist-Clubs beteiligt, der am 3. Oktober 1921 in Oakland gegründet wurde. Als Präsidentin des Clubs spielte sie eine bedeutende Rolle bei der Organisation und Leitung der frühen Aktivitäten. Ihre Initiative und Führungsfähigkeiten trugen dazu bei, den Soroptimismus als Bewegung zur Förderung von Frauen in der Gesellschaft zu etablieren.

“soror optima“

Den Namen definiert Janet Haywood in ihrem Buch „The History of Soroptimist International“ so: Das lateinische Wort „soror“ bedeutet Schwester, Frau, „optima“ bedeutet beste.

Interpretationen wie „sorores optimae“ (beste Schwestern) oder „sorores ad optimum“ (Schwestern zum Besten) waren lange im Umlauf. Heute verstehen sich die Mitglieder von Soroptimist als Frauen, die sowohl beruflich als auch sozial bemüht sind, ihr Bestes zu geben.



Die Ziele des Soroptimismus

Die Soroptimist-Clubs verfolgten das Ziel, den Servicegedanken als Grundlage aller unterstützungswürdigen Unternehmungen zu pflegen und die Mitglieder dazu zu ermutigen, sich verstärkt für gesellschaftliche, geschäftliche und Gemeindeangelegenheiten zu interessieren. Diese Clubs, die eine Vielfalt von Berufen repräsentierten, trafen sich regelmäßig, um Serviceprojekte zu diskutieren und Referate zu verschiedenen Themen anzuhören, die gehobenen Berufe der Gründungsmitglieder waren ausschlaggebend dafür, dass die Soroptimistclubs in den 1920er Jahren als Eliteorganisationen angesehen wurden.



Soziales und Umweltschutz

Frühe Projekte wie die Rettung der Redwoods ein Waldgebiet, welches in den 20er Jahren gnadenloser Rodung ausgesetzt war, zeigten das Engagement der Soroptimistinnen für Umweltbelange und soziale Anliegen, lange bevor Umweltschutz zu einem weit verbreiteten Thema wurde. Diese damalige erfolgreiche Kampagne legte auch den Grundstein für die weitere Einmischung von Soroptimist in die Legislative, die daraus folgende Beziehung zu den UN und ihrem Vorgänger, der League of Nations.



Venture Club Bristol

Die Gründung des Venture Clubs in Bristol markierte den Beginn der Soroptimist-Bewegung in England und in Europa.

Die Journalistin Ethel Parr, berichtete über die Gründung eines Rotary-Clubs in Bristol und schlug die Gründung eines ähnlichen Frauenclubs vor. Im Juni 1920 wurde der Venture Club gegründet, ein Eliteclub, der sich dem Motto „Looking further“ verschrieb. Der Club unterstützte verschiedene Wohltätigkeitsprojekte, darunter die Betreuung mutterloser Mädchen und den Wiederaufbau der Stadt Bethune in Frankreich. Der erste englische Soroptimist Club, der Central London Club, wurde 1924 gegründet, gefolgt von anderen Städten wie Manchester, Liverpool, Glasgow und Edinburgh. 1930 fusionierten die Venture Clubs mit den Soroptimist Clubs.

Expansion

In Australien gründete Edith Glanville den ersten Quota Club, der sich wie die Soroptimist- und Venture Clubs für die Verbesserung der Lebensumstände von Frauen einsetzte. Nur drei Jahre später initiierte S. Morrow die Gründung des ersten französischen Soroptimist Clubs in Paris durch Suzanne Carmen Noël, die sich intensiv für die Verbreitung des Soroptimismus einsetzte. Die amerikanischen und europäischen Clubs fusionierten schließlich zur Soroptimist International Association (SIA), ein Meilenstein für die internationale Zusammenarbeit und Stärkung der Organisation.



Friendship Links

Die Friendship Links wurden 1932 von der amerikanischen Föderation ins Leben gerufen und haben im 2. Weltkrieg ihre Bewährungsprobe bestanden. Zugrunde liegt das Anliegen, sich über gegenseitige Aktivitäten und über die Stellung der Frau in den jeweiligen Ländern zu informieren. Es beinhaltet gelegentlich offizielle Besuche und vor allem in Krisenzeiten bedeutet Friendship Link gegenseitige Unterstützung.



Der Zweite Weltkrieg

Von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges waren die Europäer auf dem Festland stärker betroffen als die Briten: In Großbritannien gab es keine Invasion, jedoch war das Leben hier durch die Gefahr von Bomben- und Raketenangriffen beeinträchtigt. Britische Sorores engagierten sich, indem sie Bombengeschädigten halfen.

Auch die überseeischen Sorores engagierten sich in Großbritannien. Neuseeland leistete Hilfe für europäische Flüchtlinge, Sydney schickte Nahrungs- und Kleiderpakete in zerstörte britische Gebiete, die amerikanische Föderation bietet an, Söhne und Töchter britischer Sorores aufzunehmen, was sich allerdings als schwierig erwiesen hat. Nach Kriegsende erfuhr man, dass französische Sorores mit der Resistance zusammengearbeitet und ihr Leben gelassen hatten.



SI Deutschland

Entstehung

Dr. Edith Peritz, gründete 1930 in Berlin den ersten deutschen Soroptimist Club mit 25 Mitgliedern. Es gab Widerstand gegen den Namen, das Emblem und die internationale Fassung der Satzung. Der Club nannte sich zunächst „Klub berufstätiger Frauen“, später dann „Soroptimist Klub Berlin – Klub berufstätiger Frauen“ und gestaltete ein eigenes Emblem. Weniger das soziale als das kulturelle Engagement stand im Vordergrund, und so kamen auch die Sorores weitgehend aus dem kulturellen Lager. Vom sozialen Leben in Berlin distanzierte man sich bewusst, denn dafür gab es damals danach ausgerichtete Damen und Frauenclubs.

Der 2. Weltkrieg

Mitglieder im Berliner Club waren auch jüdische Sorores. Zudem handelte es sich um einen internationalen Club. Zwei Gründe also, ihn nicht wie gefordert, beim Propagandaministerium anzumelden.

Aufgrund der politischen Lage lichteten sich die Reihen des Clubs im Laufe der Jahre und man wusste nichts über den Verbleib einiger Sorores. Nach und nach wusste man sie zum Teil in den KZs. Nach einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo riet eine Clubschwester, Juristin, den Club offiziell als ruhend zu erklären. Inoffiziell liefen die soroptimistischen Aktivitäten weiter. Als sich die Lage in Deutschland allerdings zuspitzte, erfolgte die Auflösung des Clubs Berlin. Sein Vermögen ging an das Mütterhilfswerk, eine private Hilfsorganisation. Gleichzeitig vernichtete man belastendes Material – bis auf die Charterurkunde, die vierteilig aus den Trümmern geborgen werden konnte. Es dauerte bis zum Frühjahr 1946, bis sich sechs Clubschwestern wiederfanden, davon eine, die das KZ überlebt hatte. Man machte einen Neuanfang, traf sich regelmäßig in Wohnungen und Gärten.



Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde der Club 1952 offiziell wieder gegründet, und es entstanden weitere Clubs, wie der Club in Frankfurt/Main. Es wurde eine Deutsche Union gebildet, und Deutschland wurde allmählich wieder in die internationale Soroptimist-Community integriert. Die Deutsche Union wuchs zwischen 1951 und 2001 auf über 130 Clubs an. Deutsche Soroptimistinnen übernahmen zunehmend Aufgaben in der Europäischen Föderation und engagierten sich international.

Die deutschen Soroptimistinnen bemühten sich aktiv um Versöhnung und internationale Zusammenarbeit nach dem Krieg, indem sie beispielsweise Gäste aus dem ausländischen diplomatischen Corps bei Clubveranstaltungen begrüßten und sich für ein neues Verhältnis zu Israel einsetzten.



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